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Bereich: Startseite -> Illegale Drogen

Frage
·  Sucht und Abhängigkeit - Was ist das?
·  Was ist das besondere an illegalen Drogen?
·  Gibt es eine körperliche Symptomatik, die auf Drogenkonsum schließen läßt?
·  Woran erkenne ich Entzugssymptome?
·  Welche psychischen Veränderungen treten durch Drogenkonsum auf?
·  Was kann ich als Angehörige/r tun, wenn mein Kind/PartnerIn süchtiges Verhalten zeigt?
·  Zwei Beispiele:
·  Was ist Co-Abhängigkeit?
·  Warum sollten Sie für sich selbst sorgen?
·  Nicht-Hilfe bedeutet nicht Nichts-Tun: WAS KÖNNEN SIE TUN?
·  Wie die eigene Angst überwinden?
·  Verantwortung für das eigene Leben übernehmen
·  Verhaltensänderungen sind schwere Arbeit
·  Möchten Sie wirklich helfen?
·  Bereit werden, Hilfe anzunehmen!
·  Wo finde ich die nächste Beratungsstelle?
·  Kann jeder Arzt, auch mein Hausarzt, eine Methadon-Substitution durchführen?
·  Wohin wende ich mich in München, wenn ich an einer Methadon-Behandlung interessiert bin und wie schnell komme ich dann in ein Methadon-Programm?
·  Kann Methadon nur Heroin oder auch andere Suchtstoffe ersetzen?
·  Was ist Methadon und wie wirkt es?
·  Wie lange dauert die Methadon-Behandlung?
·  Wer übernimmt die Kosten der Methadon-Behandlung?
·  Löst die Einnahme von Methadon auch mein Suchtproblem?
·  Warum soll ich auch noch zur Drogenberatungsstelle gehen?
·  Wie wird Methadon verabreicht und wie oft muß ich zum Arzt gehen?
·  Wann und wie komme ich wieder von Methadon weg?
·  Gibt es auch noch andere Ersatzstoffe neben Methadon?
·  Was ist das besondere an illegalen Drogen?

Antwort
·  Sucht und Abhängigkeit - Was ist das?

"Sucht äußert sich meist als Giftsucht (Toxikomanie). Diese ist immer von Intoxikation (Vergiftung) begleitet. Demnach ist bei stoffgebundenen Suchtformen immer nach drei Komponenten zu fragen:

  1. Nach der individuellen Grundstörung, die eine Suchtentwicklung einleitete, hier denken wir z. B. an chronische Schmerzzustände oder an bestimmte Konfliktsituationen.

  2. Nach den psychopathologischen Folgen der Suchtmitteleinnahme, hier denken wir insbesondere an toxisch bedingte Veränderungen der Kritikfähigkeit oder des Gedächtnisses;

  3. Nach dem Grad der Suchthaltung dem Leben gegenüber, also der Süchtigkeit, die eine psychologische Eigengesetzlichkeit besitzt und stoffunabhängig wirkt.

Sucht ist in erster Linie ein psychisches Problem, mit in der Regel bald auftretenden sekundären, körperlichen und sozialen Folgen.
Sucht ist gekennzeichnet durch einen eigengesetzlichen Ablauf und durch den fortschreitenden Verlust freier Verhandlungsfähigkeit und Kontrolle über das eigene Verhalten. Sucht liegt dann vor, wenn eine prozeßhafte Abfolge in sich gebundener Handlungen kritisch geprüfte, sorgfältige und folgerichtig gesteuerte Handlungsabläufe ersetzt. Sucht ist stets Krankheit."

(Klaus Wanke und Karl Ludwig Täschner, Rauschmittel, Stuttgart 1985, S. 13)


"Sucht ist ein unabweichbares Verlangen nach einem bestimmten Erlebniszustand. Diesem Verlangen werden die Kräfte des Verstandes untergeordnet. Es beeinträchtigt die freie Entfaltung einer Persönlichkeit und zerstört die sozialen Bindungen und die sozialen Chancen des Individuums"

(K. Wanke, in: Deutsche Hauptstelle gegen die Suchtgefahren (Hrsg.). Süchtiges Verhalten, 1985, S. 20)


Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat Sucht 1957 folgendermaßen definiert:
Sucht ist "ein Zustand periodischer oder chronischer Vergiftung, hervorgerufen durch den wiederholten Gebrauch einer natürlichen oder synthetischen Droge und gekennzeichnet durch 4 Kriterien:

  1. Ein unbezwingbares Verlangen zur Einnahme und Beschaffung des Mittels,

  2. eine Tendenz zur Dosissteigerung (Toleranzerhöhung),

  3. die psychische und meist auch physische Abhängigkeit von der Wirkung der Droge,

  4. die Schädlichkeit für den einzelnen und/oder die Gesellschaft."

Nach einer Definition der Weltgesundheitsorganisation gilt jede Substanz als Droge, die in einem lebenden Organismus Funktionen zu verändern vermag. Dieser erweiterte Drogenbegriff erfaßt nicht nur Cannabisprodukte, Halluzinogene, Stimulanzien, Schnüffelstoffe, Schlaf- und Beruhigungsmittel, Alkohol, Tabakerzeugnisse, Schmerzmittel Opiate und Kokain. Er bezieht sich auch auf Alltagsdrogen wie z.B. Kaffee und Tee und grenzt Drogen einerseits, sowie Genuß- und "Lebens"-mittel andererseits, nicht mehr trennscharf voneinander ab.

(s. Landesinstitut für Schule und Weiterbildung (Hrsg.):
Sucht- und Drogenvorbeugung in der Schule,
Baustein 1: Konzeption zur Suchtvorbeugung in der Schule, Soest,. 1988, S. 14)


"Sucht zeigt sich als latente Suchthaltung und als manifestes süchtiges Verhalten. Süchtiges Verhalten mit Krankheitswert liegt vor, wenn dieses nicht mehr angesichts einer Flucht- oder Unwohlsituation eintritt, sondern zu einem eigendynamischen, zwanghaften Verhalten wird, das sich selbst organisiert hat und sich rücksichtslos beständig zu verwirklichen sucht. Suchthaltungen als Folgen von mangelndem Selbstvertrauen und Minderwertigkeitsgefühlen, von Verantwortungsscheu und Problemangst werden meist in Kindheit und Jugend erlernt.

Ursachen entstehender Suchthaltungen können darin liegen, daß Heranwachsenden wenig Möglichkeiten eingeräumt werden, ihre Identität in Auseinandersetzung mit ihrer Umwelt zu entwickeln, weil ihnen von Eltern, Lehrern und Ausbildern zuviel erspart und abgenommen oder zuviel zugemutet worden ist. Vorbildwirkungen sowie bewußte und unbewußte Identifikationswünsche von Kindern und Jugendlichen gegenüber Erwachsenen können außerdem eine große Rolle bei der Entstehung von Suchthaltungen spielen. Wenn sich die Tendenzen zu Ausweichverhalten und Ersatzhandlungen dauerhaft verfestigen, kann aus Suchthaltungen manifest süchtiges Verhalten werden – besonders bei außergewöhnlichen Belastungen und Konflikten wie z.B. Schulversagen, Außenseiterstellung in der Schulklasse, Jugendarbeitslosigkeit, Bruch mit Freund oder Freundin."

(vergl. Sucht- und Drogenvorbeugung in der Schule, Soest, 1988, S. 18 f)

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·  Was ist das besondere an illegalen Drogen?

Der Besitz und Vertrieb von sogenannten "illegalen Drogen" ist nach dem Betäubungsmittelgesetz verboten:
Verstöße dagegen sind strafrechtlich zu verfolgen.

In Deutschland liegt nach Schätzung der DHS die Gesamtzahl der Abhängigen von illegalen Drogen bei etwa 120.000. Rund zwei Drittel von ihnen sind männlich. Der Anteil Erwachsener hat gegenüber dem Jugendlicher in den letzten Jahren zugenommen. Derzeit am häufigsten mißbraucht werden Cannabis-Präparate (Haschisch, Marihuana) und Heroin. Steil angestiegen ist in den letzten Jahren der Mißbrauch von Kokain.

Zu den substanzbezogenen Gefahren tritt eine besondere, gemeinsame Gefahr für die meist jugendlichen Konsumentinnen und Konsumenten:
Die psychische und soziale Gefährdung, die in der Illegalität des Konsums liegt. Man wird selbst kriminell und kommt zwangsläufig mit einem entsprechenden Milieu in Kontakt. Dabei lernt man ein Leben mit Ladendiebstählen, Prostitution, wechselseitigem Mißtrauen nur zu intensiv kennen, und all das oft in einem Alter, in dem Menschen noch stark geprägt werden.

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·  Gibt es eine körperliche Symptomatik, die auf Drogenkonsum schließen läßt?

Je nach Suchtmittel zeigen sich unterschiedliche körperliche Symptomatiken bei:

  • Opiaten & Ersatzstoffen
  • Kokain
  • Amphetaminen
  • Halluzinogenen
  • Cannabis
  • Ecstasy

Grundsätzlich gilt:
Wenn Sie eine der beschriebenen Verhaltensformen bei ihrem Angehörigen beobachten, so läßt dies nicht zwangsläufig auf eine vorhandene Drogenabhängigkeit schließen. Objektive Sicherheit darüber ergibt sich ausschließlich aus einem Drogentest.

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·  Woran erkenne ich Entzugssymptome?

Körperliche Entzugszeichen treten nur bei Suchtmitteln mit Toleranzausbildung auf. Dazu gehören vor allem Opiate (z.B. Heroin), Alkohol, Barbiturat-Schlafmittel und viele weitere Dämpfungs- und Schlafmittel sowie angstlösende Beruhigungsmittel. Im Vordergrund stehen - nicht nur bei den Opiaten - überschießende Reaktionen des vegetativen Nervensystems:
Unruhe, weite Pupillen, Schweißausbrüche, Gereiztheit, Frieren, Zittern, Schwindel, Abgeschlagenheit, Schlafstörungen, Übelkeit; seltener Durchfälle, Erbrechen, Schmerzen im Bauchraum, der Gelenke und Glieder. Dazu kommen substanzspezifische Beschwerden, wie etwa Krampfanfälle bei Barbituratentzug.

Seelische Entzugszeichen sind „Stoffhunger", der Drang zu erneuter Drogeneinnahme, der überwältigend werden kann, Unruhezustände, Getriebenheit, Gereiztheit, Angst, depressive Verstimmungen bis hin zu Selbstmordgedanken, Schlaflosigkeit, u.a. Daneben gibt es weitere substanzspezifische Symptome. Es sind vor allem die seelischen Entzugserscheinungen, die Abhängige immer wieder zum Konsum ihres Suchtmittels nötigen und sie gegen ihren tieferen Wunsch abhängig halten.

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·  Welche psychischen Veränderungen treten durch Drogenkonsum auf?

Je nach Suchtstoff ergeben sich unterschiedliche psychische Veränderung. Man unterscheidet zwischen akuten Wirkungen und Nebenwirkungen und Langzeitfolgen für die Gesundheit:

  • Opiate & Ersatzstoffe
  • Kokain
  • Amphetamine
  • Halluzinogene
  • Cannabis
  • Ecstasy

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·  Was kann ich als Angehörige/r tun, wenn mein Kind/PartnerIn süchtiges Verhalten zeigt?

Die laufende Unterstützung durch Angehörige bei der Bewältigung des Alltags der Abhängigen trägt dazu bei, daß Süchtige ihre Krankheit leugnen und sich hinter dem Glauben verstecken können, sie kämen ja im Leben noch zurecht, also könne es so schlimm noch nicht sein. Abhängige sind im hohen Maße auf die Anerkennung durch ihre Mitmenschen angewiesen. Werden ihre Fehlleistungen sichtbar und droht gar der Verlust der Anerkennung durch ihre soziale Umgebung, leiden sie sehr darunter. Sie sind dadurch gezwungen, ihre Realität wahrzunehmen und die Konsequenzen ihres süchtigen Verhaltens zu ertragen oder ihr Verhalten zu ändern.

Sie müssen selbst zur Einsicht in ihre Situation finden. Zur Genesung brauchen sie die Unterstützung von Fachleuten. Alle Versuche, ihr süchtiges Verhalten direkt zu beeinflussen oder ihnen gar einfach das Suchtmittel zu entziehen, werden fruchtlos und immer wieder Anlaß zu Auseinandersetzungen sein.

Sie können jedoch versuchen, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, daß Ihre Angehörige/Ihr Angehöriger Hilfe annimmt und gesundet. Hierzu müssen Sie den Willen und den Mut finden, den Kampf um das Suchtmittel aufzugeben und einen gänzlich anderen Weg einzuschlagen. Sie müssen die vielfältigen Ängste, die Sie in Ihrer Rolle gefangen halten, überwinden und sich loslösen von den gegenseitigen Beschuldigungen und Debatten. Das bedeutet auch, daß Sie nicht länger Aufgaben und Verantwortung der/des Süchtigen übernehmen und sie ihn die Anforderungen des täglichen Lebens wieder spüren lassen.

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·  Zwei Beispiele:

Sie haben bislang das - infolge der Einnahme von Aufputschmitteln - auffällige Verhalten Ihrer Partnerin mit deren übergroßer Nervosität, ihrem überschäumenden Temperament usw. erklärt. Enthalten Sie sich nun solcher Äußerungen, wird sie bemüht sein, selbst Erklärungen zu finden.

Aus Sorge um den Arbeitsplatz Ihres Partners/Kindes haben Sie bislang sein Fehlen stets entschuldigt. Unterlassen Sie dies nun, geben Sie ihm die Sorge um den eigenen Arbeitsplatz zurück.

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·  Was ist Co-Abhängigkeit?

Die Ängste und Sorgen der Angehörigen, ihr Auf und Ab zwischen Hoffen und Verzweifeln, sind oft sehr ähnlich. Trotz der natürlich vorhandenen individuellen Unterschiede gibt es im Verhalten und Erleben der Angehörigen so viele Gemeinsamkeiten, daß man dafür einen eigenen Begriff prägte: "Co-Abhängigkeit".

Diese Bezeichnung weist zugleich auf die eingangs bereits erwähnte, ganz und gar unerwünschte Rückwirkung der Co-Abhängigkeit hin:
Sie unterstützt und fördert die Abhängigkeit des süchtigen Menschen.

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·  Warum sollten Sie für sich selbst sorgen?

Indem Sie sich (wieder) Ihren eigenen Interessen zuwenden und aus dem zermürbenden Kreislauf ausscheren, gerät Bewegung in Ihre erstarrte Beziehung. Die Atmosphäre, in der Sie leben, verändert sich. Auf Dauer wird spürbar werden, daß Sie nun ein zufriedeneres Leben führen. Das kann bei ihr oder ihm die Sehnsucht nach Veränderung verstärken.

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·  Nicht-Hilfe bedeutet nicht Nichts-Tun: WAS KÖNNEN SIE TUN?

Im Gegenteil, dieser neue Weg der Hilfe erfordert von Ihnen Konsequenz und viel Kraft. Er bedeutet für Sie einen Prozeß der Veränderung, in dessen Verlauf Sie eine Reihe neuer Einstellungen gewinnen und neue Verhaltensweisen erlernen:

  • Aufhören zu leugnen:
    Sie erkennen die Abhängigkeit Ihrer/Ihres Angehörigen als gegeben an und trennen sich endgültig von der Hoffnung, all dies sei nur ein böser Spuk, der wieder verschwinden wird.

  • Den Krankheitswert der Abhängigkeit erkennen:
    Sie akzeptieren, daß Ihre Angehörige/ Ihr Angehöriger weder willensschwach noch lieblos oder gar bösartig ist. Sie reagieren nicht länger mit Vorwürfen auf die unausweichlichen und sich ständig wiederholenden Enttäuschungen und Vertrauensbrüche.

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·  Wie die eigene Angst überwinden?

Sie müssen die auf Sie einstürmenden Ängste, die Sie vor dem neuen Weg der Hilfe zurückschrecken lassen, bewältigen:

  • "Wenn ich ihr nicht mehr helfe, gelte ich als herzlos und hart!"
  • "Alles wird noch viel schlimmer werden! Er wird völlig abstürzen."
  • "Er wird seinen Arbeitsplatz verlieren."
  • "Unser Kind wird kriminell werden / sich prostituieren, wenn wir ihm/ihr kein Geld mehr geben."
  • "Alle werden merken, wie es um meine Frau steht, und über uns reden."

Indem Sie aufhören zu helfen:
Sie kümmern sich nicht länger um Dinge, die nicht Ihre Aufgabe sind. Sie versuchen nicht länger, die Krankheit und ihre Folgen zu verheimlichen. Gerade dieser Schritt fällt vielen sehr schwer und verlangt angesichts der Angst vor der Reaktion von Verwandten, Freunden und Nachbarn viel Mut.

Indem Sie Schuldgefühle überwinden:
Angehörige von Süchtigen quälen sich häufig mit Schuldgefühlen und Selbstvorwürfen. Ganz besonders gilt das für die Eltern drogenabhängiger Kinder. Vielleicht haben Sie in der Vergangenheit Fehler gemacht, vielleicht auch nicht. Wichtiger aber ist, daß Sie jetzt die lähmenden Schuldgefühle überwinden und Ihr Verhalten auf eine neue Chance für sich und die/den Süchtigen ausrichten.

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·  Verantwortung für das eigene Leben übernehmen

Sie haben sich - vielleicht jahrelang - ausschließlich auf Ihre Angehörige/Ihren Angehörigen und ihre bzw. seine Angelegenheiten konzentriert. Dabei haben Sie die Entfaltung eigener Interessen vernachlässigt. In dem Bemühen, ihr/ihm zu helfen, sind Sie selbst hilflos geworden. Oft haben Sie (im Stillen) den anderen für die Freudlosigkeit Ihres Lebens verantwortlich gemacht. Jetzt erkennen Sie, daß diese Haltung zu nichts führt. Sie beginnen Ihr Leben wieder selbst zu gestalten, um es erfüllter werden zu lassen.

  • Ich bin nicht Du, Du bist nicht ich:
    Indem Sie (wieder) die Verantwortung für Ihr eigenes Leben übernehmen, können Sie auch Ihrer/ Ihrem Angehörigen die Verantwortung für das eigene Leben zurückgeben. Nicht länger sehen Sie in ihr bzw. Ihm einen Teil von sich selbst, für dessen Handlungen Sie wie für eigene verantwortlich sind.

  • Konsequent bleiben:
    Dinge, die Sie ankündigen, führen Sie auch durch und Dinge, die Sie nicht durchführen können oder wollen, drohen Sie auch nicht mehr an. Sie machen deutlich, daß das, was Sie sagen, ernstzunehmen ist.

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·  Verhaltensänderungen sind schwere Arbeit

Alle Verhaltensänderungen ihrer Angehörigen verunsichern Abhängige zutiefst. Sehr häufig werden sie deshalb versuchen, sie wieder in das alte Verhalten zurückzudrängen, indem sie besondere Schwierigkeiten produzieren und mit Trennung oder gar Selbstmord drohen. Möglich auch, daß sie mit neuen Versprechungen ihre Angehörigen wieder auf die alte Rolle einzustimmen versuchen.

Vergegenwärtigen Sie sich all die genannten Schwierigkeiten und denken Sie daran, wie oft Sie entgegen Ihren Vorsätzen in Ihr gewohntes Verhalten zurückgefallen sind. Dann wird Ihnen deutlich werden, wie schwer das ist:
Aufhören zu helfen. Doch bis heute ist "Hilfe durch Nicht-Hilfe" die einzige erfolgversprechende Verhaltensalternative für die Angehörigen von Süchtigen geblieben.

Die Hoffnung auf rasche Erfolge wird sich allerdings nur selten erfüllen. Dennoch brauchen und sollten Sie die Hoffnung nicht aufgeben und den einmal beschrittenen Weg konsequent weitergehen. Psychische Veränderungen brauchen vor allem Zeit. Und schließlich bietet dieser Weg nicht nur eine Chance für den Menschen, dem sie gerne helfen möchten, sondern auch für Sie selbst.

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·  Möchten Sie wirklich helfen?

Im Laufe des beschriebenen Prozesses lernen Sie sich selbst besser kennen. Haben Sie noch Kraft und Liebe genug, Ihrem Angehörigen die Zeit zu lassen, die sie bzw. er braucht, um den Willen zur Genesung zu finden? Sind Sie noch bereit, wieder ein gemeinsames Leben aufzubauen? Oder sind Sie nur aus Angst vor der Trennung oder aus Pflichtgefühl bei ihr bzw. Ihm geblieben? Dann werden Sie am Ende dieses Prozesses in der Lage sein, die lange beabsichtigte Trennung zu vollziehen. Und damit tragen Sie unter Umständen mehr zu Einsicht und Genesung der/des Süchtigen bei als mit Ihrem Verharren in einer aussichtslosen Beziehung.

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·  Bereit werden, Hilfe anzunehmen!

Niemand kann über Nacht neue Einstellungen und Verhaltensweisen beschließen. Aber man kann sie Schritt für Schritt erlernen. Deshalb sollten Sie - unabhängig davon, wie Ihre Partnerin, Ihr Partner oder Ihr Kind dazu steht - selbst Hilfe annehmen!

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·  Wo finde ich die nächste Beratungsstelle?

Hier finden sie eine Übersicht über Beratungsstellen. Bitte auf die blaue Schrift klicken!

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·  Kann jeder Arzt, auch mein Hausarzt, eine Methadon-Substitution durchführen?

Nein. Zur Substitutionsbehandlung mit Methadon ist nur derjenige Arzt berechtigt, der bei der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) ein Einführungsseminar absolviert hat und damit eine Qualifikation zur Substitutionsbehandlung nachweisen kann. Die KV führt alle substitutionsberechtigten Ärzte in einer Namensliste.

Dabei muß der substitutionsberechtigte Arzt die Vorschriften des Betäubungsmittelgesetzes (BtmG) und die Betäubungsmittel-Verschreibungs-Verordnung (BtMVV) kennen und einhalten. Darüber hinaus hat der Bundesausschuß der Ärzte und Krankenkassen die "Richtlinien zur Substitutionsbehandlung" definiert, um den diagnostischen und therapeutischen Wert der neuen Methode zu beschreiben, die notwendige Qualifikation der durchführungsberechtigten Ärzte zu bestimmen und die erforderliche Dokumentation durch die behandelnden Ärzte festzulegen.

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·  Wohin wende ich mich in München, wenn ich an einer Methadon-Behandlung interessiert bin und wie schnell komme ich dann in ein Methadon-Programm?

Für substitutionswillige und -geeignete Drogenabhängige ist die Organisation eines Substitutionsplatzes auf eigene Faust mit vielen Hindernissen verbunden.
Die Landeshauptstadt München hat im Einvernehmen mit allen an der Substitution beteiligten Arztpraxen, Ambulanzen und Drogenhilfeeinrichtungen eine Clearingstelle eingerichtet, die für die Stadtregion München Betroffene kostenfrei informiert, berät und in Substitutionsbehandlung vermittelt.

In wenigen Tagen erhält man einen persönlichen Beratungstermin bei der Clearingstelle und gemeinsam sucht man eine geeignete Substitutionsstelle und vereinbart einen baldigen Termin für ein Aufnahmegespräch. Dort findet eine eingehende Untersuchung mit Urinkontrolle statt, so daß im Anschluß nach 1-3 Tagen mit der Substitutionsbehandlung begonnen werden kann. Vom Anruf bei der Clearingstelle bis zur Methadonvergabe beim substitutionsberechtigten Arzt vergeht in der Regel circa eine Woche. In begründeten Notfällen kann die Substitutionsbehandlung beschleunigt oder sofort eingeleitet werden.

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·  Kann Methadon nur Heroin oder auch andere Suchtstoffe ersetzen?

Methadon ist nur als Substituent (Ersatz) für Heroin bzw. gleichwertige Opioide wirksam. Die Behandlungsmethode mit Methadon ist nur für Heroinkonsumenten bzw. Opiatkonsumenten geeignet.

Achtung:
Der parallele Konsum anderer Suchtmittel, wie Alkohol, Barbiturate oder Benzodiazepine, ist in größeren Mengen lebensgefährlich, da es zur Addition oder Potenzierung der atemlähmenden Wirkung kommen kann.

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·  Was ist Methadon und wie wirkt es?

Methadon ist ein synthetisch hergestelltes Opioid. Es wurde in den 40er Jahren bei Hoechst entwickelt. Methadon zählt wie Heroin, Morphin oder Codein zu der Substanzgruppe der Opioide. Methadon wird oral in Tages-Einzeldosen verabreicht. Nur bei manifester Opiatabhängigkeit kann auf Methadon umgestellt werden. Die lange Wirkungsdauer von Methadon verhindert für mehr als 24 Stunden Entzugssymptome und stillt ausreichend den Heroin-Hunger ab. Bei der Umstellung von Heroin auf Methadon wird unter ärztlicher Kontrolle auf eine Erhaltungsdosis eingestellt, um den notwendig wirksamen Spiegel im Körper zu erzielen. Dabei wird die Wirkung von zusätzlich konsumiertem Heroin blockiert. Methadon ist keine Ersatzdroge für Heroin, sondern ein Medikament, das die pharmakologische Basis für eine Therapie darstellt.

Die Besonderheiten von Methadon gegenüber anderen Opioiden bei gleich wirksamer Dosis ist die orale Anwendbarkeit. Es hat eine weniger euphorisierende Wirkung, ist weniger "zumachend" (sedierend) und im Magen-Darmtrakt gut verträglich. Es ist auf die geistigen Fähigkeiten, wie Aufmerksamkeit, Reaktionszeit und Konzentrationsfähigkeit wenig einschränkend. Die lange Wirkungsdauer von mindestens 24 Stunden ermöglicht normale und belastbare Berufs- und Arbeitstätigkeit und unterstützt ein sozial geregeltes Leben.

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·  Wie lange dauert die Methadon-Behandlung?

Bei einem Teil der Heroinsüchtigen gelingt mit der Methadon-Behandlungsmethode die Herauslösung aus der Drogenszene. Nach einer Phase der medizinischen, sozialen, psychischen und physischen Stabilisierung von mehreren Monaten und Jahren (je nach Einzelfall!) wird die Erhaltungsdosis wöchentlich langsam reduziert. Eventuell wird für den letzten Rest eine stationäre Entgiftungsbehandlung im Krankenhaus in Anspruch genommen. Der Abstinenzerfolg ohne Klinikrestentzug hängt stark von der Motivation des Patienten und der guten Zusammenarbeit mit Arzt und psychosozialer Betreuung (z.B. Drogenberatung) ab.

Je nach Indikationsstellung durch den Arzt ist die Methadonbehandlung auf sechs Monate oder 12 Monate befristet. Bei schweren körperlichen Erkrankungen kann eine unbefristete Methadon-Substitution durchgeführt werden.

Der schnelle ambulante Entzug von Heroin mit Hilfe reduzierter Dosen von Methadon im Laufe von wenigen Tagen oder wenigen Wochen führt ganz selten zum angestrebten Abstinenzziel.

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·  Wer übernimmt die Kosten der Methadon-Behandlung?

Die Kosten der Methadonbehandlung werden bei entsprechender medizinischer Indikationsstellung vom substitutionsberechtigten Arzt durch die gesetzliche Krankenkasse übernommen. Dies klärt der Arzt mit Ihnen beim ersten Untersuchungs-/Vorstellungstermin in der Substitutionspraxis. Danach wird der Antrag zur Kostenübernahme vom behandelnden Arzt bei der zuständigen Kassenärztlichen Vereinigung (KV) gestellt. Erst mit der Erteilung des Genehmigungsbescheides durch die KV werden die Kosten von der Krankenkasse übernommen. Für die Dauer von ca. 3-6 Wochen bis zur Erteilung des Genehmigungsbescheides erstatten Sie die Kosten für die Methadonbehandlung dem Arzt selbst im voraus oder warten den Genehmigungsbescheid ab.

Haben Sie eine private Krankenversicherung müssen in der Regel die Kosten für die Methadonbehandlung von Ihnen selbst getragen werden.

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·  Löst die Einnahme von Methadon auch mein Suchtproblem?

Nein, denn Methadon zählt wie Heroin, Morphin oder Codein zur Substanzgruppe der Opioide. Dabei ist zu bedenken, daß Methadon als Opiat süchtig machen kann, Sucht aufrecht erhält und Abstinenz verhindert.

Die Methadonbehandlung bei einem substitutionsberechtigten Arzt bietet folgende Chancen:

  • Die einmalige tägliche Einnahme von Methadon reicht aus (Heroin wird 3-4 mal täglich extrem teuer konsumiert!).
  • Kriminalisierte Konsumverhältnisse, finanzielle Verschuldung und gesundheitliche Risiken werden vermieden.
  • Die Distanzierung von der Drogenszene ermöglicht tagesstrukturierende Anbindung bei Arzt und Drogenberatung.
  • Arbeitstätigkeit bzw. die Wiederaufnahme von Arbeit ist möglich.

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·  Warum soll ich auch noch zur Drogenberatungsstelle gehen?

Die Opiatsucht ist eine langdauernde, schwer heilbare rezidivierende (durch Rückfälle wiederkehrende) Erkrankung, die auf einer nicht dem Willen unterliegenden zwanghaften Zufuhr des Suchtmittels (körperliche Abhängigkeit!) basiert, was wiederum das Suchtverlangen (psychische Abhängigkeit!) bedingt. Methadon ändert nichts am Ablauf der Sucht, aber die Patienten sind in der Kooperation von medizinischer und psychosozialer Behandlung erreichbar und können außerhalb der "Drogenszene" zu einer Tagesstruktur, zur Wiedererlangung von Sozialkompetenz und Arbeitstätigkeit hingeführt werden und können mittel- und langfristig auf ein Leben ohne Sucht und Drogen hinarbeiten.

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·  Wie wird Methadon verabreicht und wie oft muß ich zum Arzt gehen?

Eine einmalige tägliche orale Einnahme in der Substitutionspraxis reicht aus, um den Heroinhunger durch das Besetzen der Opioidrezeptoren im Zentralen Nervensystem zu stillen. Dabei wird die tägliche individuelle Methadonration einem Saft, z.B. Orangensaft, beigemischt und in der Praxis getrunken. Nach Vorschrift durch die BtMVV (Betäubungsmittel-Verschreibungs-Verordnung) muß die tägliche Vergabe in der Praxis zuverlässig für 6 Monate erfolgen. Erst dann kann der Arzt die sogenannte "Take-home-Regelung" (Mitgabe nach Hause) vereinbaren.

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·  Wann und wie komme ich wieder von Methadon weg?

Mittlerweile ist umfangreich dokumentiert, daß zeitlich kurz befristete (wenige Tage oder Wochen!) Methadonbehandlungen in der Regel zum Rückfall in den Heroin-/Drogengebrauch führen. Die erfolgversprechende Substitutionsbehandlung mit Methadon muß in der Regel als Langzeitbehandlung eingesetzt werden. Im Langzeitverlauf kann bei individueller Behandlungsplanung durch langsames Runterdosieren von Methadon ein "Ausschleichen" zum Erfolg führen. Oftmals wird der Restentzug von der bereits reduzierten Methadondosis nur durch Einweisung in eine stationäre Entzugsklinik erreicht.

Für den Erfolg wesentlich zu beachten ist dabei, daß der Betroffene im Verlauf der langfristigen Methadonbehandlung nicht nur die zuverlässige Methadoneinnahme ohne Beikonsum anderer Suchtmittel beim Arzt schafft, sondern gleichzeitig substitutionsbegleitende Ziele im Alltag, z.B. in Bezug auf Wohnen, Arbeiten, Freizeitaktivitäten, drogenfreie Kontakte, Schuldentilgung, Ämtererledigungen usw. entwickelt und umsetzt. Hilfestellung geben dabei z.B. Drogenberatungsstellen, Arbeitsprojekte, Selbsthilfeinitiativen etc.

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·  Gibt es auch noch andere Ersatzstoffe neben Methadon?

In der praktischen Handhabung einer Substitutionsbehandlung wird in der BRD L-Methadon und das Methadon-Racemat verabreicht.

Im Handel seltener und umstritten sind:

  • Dihydrocodein (DHC), ein Opiumalkaloid - im Vergleich zu Codein ist es länger wirksam und stillt den Opiathunger, es sind aber bis 4 Tagesdosen notwendig.

  • Buprenorphin ist ein halbsynthetisches Derivat des Thebains, eines natürlichen Bestandteils des Opiums und wurde im Jahr 2000 in der BRD zugelassen.

  • LAAM ist ein synthetisches Opiat.

Nur der niedergelassene und substitutionsberechtigte Arzt kann unter Einhaltung der betäubungsmittelrechtlichen Rahmenbedingungen neben Methadon andere Ersatzstoffe unter dem Aspekt der ärztlichen Sorgfaltspflicht und Indikationsstellung verabreichen.

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·  Was ist das besondere an illegalen Drogen?

Der Besitz und Vertrieb von sogenannten "illegalen Drogen" ist nach dem Betäubungsmittelgesetz verboten: Verstöße dagegen sind strafrechtlich zu verfolgen.

In Deutschland liegt nach Schätzung der DHS die Gesamtzahl der von illegalen Drogen Abhängigen bei etwa 120.000. Rund zwei Drittel von ihnen sind männlich. Der Anteil Erwachsener hat gegenüber dem der Jugendlichen in den letzten Jahren zugenommen. Am häufigsten werden derzeit Cannabis-Präparate (Haschisch, Marihuana) und Heroin mißbraucht. Steil angestiegen ist in den letzten Jahren der Mißbrauch von Kokain.

Zu den substanzbezogenen Gefahren tritt eine besondere, gemeinsame Gefahr für die meist jugendlichen Konsumentinnen und Konsumenten:
Die psychische und soziale Gefährdung, die in der Illegalität des Konsums liegt. Man selbst wird kriminell und kommt zwangsläufig mit einem entsprechenden Milieu in Kontakt. Dabei lernt man ein Leben mit Ladendiebstählen, Prostitution, wechselseitigem Mißtrauen nur zu intensiv kennen, und all das oft in einem Alter, in dem Menschen noch stark geprägt werden.

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