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Bereich: Startseite -> Suchtgefährdete

Frage
·  Ich habe Mühe, Haschisch in der gleichen Weise zu sehen wie Alkohol.
·  Man hört manchmal, Haschisch sei überhaupt nicht gesundheitsschädlich. Stimmt das?
·  Erleichtert es das Gespräch mit dem Jugendlichen, wenn man schon einen Beweis für den Drogenverdacht hat?
·  Wenn man sieht, wie sich ein Kind verändert und unzugänglich wird, liegt es auf der Hand, daß man auch an Drogen denkt. Wie soll man sich da als Eltern verhalten?
·  Dann sollte sich das Gespräch gar nicht so sehr um die Drogen drehen?
·  Gibt es eigentlich konkrete Hinweise auf eine Suchtgefährdung?
·  Wenn ich nun aber sicher weiß, daß mein Kind Drogen nimmt, muß ich dann jemanden darüber informieren?
·  Soll man mit Lehrern der/des Jugendlichen sprechen?
·  Und im Verwandten- und Bekanntenkreis?
·  Was kann man für ein drogenabhängiges Kind tun - außer, daß man sich an eine Beratungsstelle wendet?
·  Ist das dann aber vor allem die Aufgabe des Beraters in der Beratungsstelle?
·  Aber es braucht doch eine gewisse Überwindung, sich einfach bei einer solchen Beratungsstelle zu melden?

Antwort
·  Ich habe Mühe, Haschisch in der gleichen Weise zu sehen wie Alkohol.

Alkohol ist etwas so Altvertrautes, daß wir ihn häufig gar nicht mehr als "Droge" betrachten. In anderen Ländern - vor allem im Orient - ist dies ganz anders. Alkohol ist diejenige Droge, die in unserem Kulturkreis mit Abstand am meisten Probleme verursacht.

Haschisch ist auf der anderen Seite illegal und wird nicht selten auch als Symbol für einen andersartigen (alternativen) Lebensstil verwendet. Viele junge Menschen wollen sich damit gegenüber der älteren Generation abgrenzen und ihre Andersartigkeit betonen. Aus diesem Grunde werden häufig Autoritätskonflikte über Haschisch ausgetragen; z.B. wenn die Eltern vor den "bösen Drogen" warnen, ohne selbst Erfahrung damit zu haben und ihre Kinder ihnen beweisen, wie wenig sie doch davon wissen.
Unabhängig von der reinen Drogenwirkung kann dies problematische Folgen haben; denn die Werte und Normen einer "alternativen Subkultur" heben sich teils scharf ab, von den geltenden gesellschaftlichen "Tugenden".

Man darf deshalb nicht bei der Droge "Haschisch" stehen bleiben, sondern muß sich fragen, was Jugendliche damit ausdrücken wollen, was für ein Lebensstil und Lebensgefühl damit zusammenhängt.
Ähnlich, wie Alkohol für Jugendliche, die in der Regel psychisch noch nicht sonderlich gefestigt sind, fatale Folgen haben kann, kann auch Haschischkonsum bei psychisch instabilen Jugendlichen massive Probleme verursachen, die etwas anders gelagert sind, als bei Alkoholkonsumenten.

Sowohl Alkoholkonsumenten, wie auch Haschischkonsumenten werden während des Konsums meist lustiger, wobei durch die enthemmende Wirkung von Alkohol auch Aggressionsbremsen gelockert werden und Alkoholkonsumenten, wenn sie angetrunken sind, leicht auch aggressiv werden können. Haschisch dagegen macht eher passiv und friedlich. Eines der Hauptargumente von Cannabiskonsumenten ist, "daß sie ja gar nichts tun". Dies kann man bei Dauerkonsumenten oft wörtlich nehmen. Häufig werden auch notwendige Dinge nicht erledigt und der Betreffende schiebt schnell einen immer größer werdenden Berg an Problemen vor sich sehr. Während Alkohol für viele die Probleme lange Zeit erträglicher erscheinen läßt, die Betreffenden aber trotzdem noch zur Arbeit gehen und darauf auch stolz sind, sehen viele Dauerkonsumenten gar nicht ein, warum sie sich dem täglichen Streß aussetzen sollen und versuchen, diesem eher auszuweichen. In unserer Leistungsgesellschaft geht so ein Verhalten natürlich nicht lange gut, wird mißtrauisch beäugt und führt häufig zur Ausgrenzung.

Kurz gesagt: Alkohol wirkt lange Zeit leistungsstabilisierend bis der Betreffende süchtig geworden ist, auffällt und ausgegrenzt wird. Haschisch wirkt - unter Leistungsaspekten betrachtet - eher demotivierend und führt bei Jugendlichen oft sehr schnell zum Leistungsabfall in der Schule und damit zu psychosozialen Konflikten in Schule und Elternhaus.

Heutzutage wechseln viele, die Probleme mit einer Droge bekommen haben, einfach die Droge aus. Alkoholiker greifen immer mehr auch zu Haschisch und umgekehrt bekommt ein nicht geringer Anteil von problematisch Cannabis konsumierenden Jugendlichen auch erhebliche Alkoholprobleme - vor allem wenn Cannabis nicht als Halluzinogen, sondern als Betäubungsmittel mißbraucht und zusammen mit Alkohol konsumiert wird. Üblicherweise beseitigt Alkohol die halluzinogene Wirkung von Cannabis und wird deshalb von Cannabiskonsumenten nicht gerne zusammen genommen (den meisten wird dabei nur "kotzübel"). Diejenigen die beides zusammennehmen, wollen häufig mit dem Cannabiskonsum die Rauschwirkung von Alkohol verstärken und sich betäuben. Dieses Gebrauchsmuster ist bereits wesentlich problematischer als das halluzinogene Gebrauchsmuster.

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·  Man hört manchmal, Haschisch sei überhaupt nicht gesundheitsschädlich. Stimmt das?

Zunächst müssen wir erst einmal unterscheiden zwischen körperlichen, seelischen und sozialen Schäden:

  • Körperliche Schäden

    In der Regel muß auch bei länger dauerndem maßvollen Haschisch-Genuss nicht mit ernsthaften gesundheitlichen Schäden gerechnet werden. Da Haschisch jedoch in der Regel mit Tabak vermischt geraucht wird, ist wie beim Nikotinkonsum - allerdings rascher und intensiver - ein entsprechendes Gesundheitsrisiko zu bedenken. Manche Untersuchungen berichten auch von einer Beeinträchtigung der Immunabwehr, vor allem der Makrophagen.
    In seltenen Fällen kommt es bei langjährigem massiven Dauergebrauch auch zu Veränderungen des Gehirns und einem Abbau der intellektuellen Leistungsfähigkeit. In der Regel sind die Veränderungen nach längerer Abstinenzzeit reversibel.

  • Psychische Schäden

    Bei Haschisch-Gebrauch und -mißbrauch kann es zu psychischen Störungen kommen. Oft genug sind es Anfänger, bei denen Haschisch, bzw. Marihuana zum ersten Mal zu wirken beginnt, die dann auf einmal leichte Halluzinationen und Angstzustände bekommen. Ein solcher "Horrortrip" ist zwar bei weitem nicht so intensiv wie unter LSD, kann aber durchaus zu Panikzuständen führen. Nur ganz selten kommt es dabei zu bleibenden (evtl. auch organischen?) Schäden.
    In der Regel werden Reize unter Cannabis-Einfluß intensiver erlebt. Gleichzeitig fühlen sich viele unter der Einwirkung ruhiger und gelassener teils verfallen sie auch plötzlich in Albernheit. Manche haben im Haschischrausch das Gefühl, "den totalen Durchblick" zu haben. Wieder nüchtern sind sie dann von ihren Äußerungen peinlich berührt.
    Bei psychisch gesunden Konsumenten ist der Konsum meist kein großes Problem. Bei Personen mit psychischen und sozialen Auffälligkeiten können die psychischen und sozialen Schwierigkeiten massiv verstärkt werden.
    Das Hauptsyndrom bei längerem Cannabismißbrauch ist das sog. "amotivationale Syndrom", d.h. die Konsumenten haben zu nichts mehr Lust ("Null-Bock"-, "No Future"-Gefühl), geben bereits erworbene Interessen auf, haben Mühe sich zu konzentrieren (vor allem auf logisch-abstrakte Inhalte wie z.B. Mathematik, Physik, Chemie etc.) und fallen in der Schule deshalb innerhalb kurzer Zeit meist leistungsmäßig stark ab.

  • Soziale Schäden

    Die oben beschriebenen Probleme führen bei fortwährendem Mißbrauch zu verstärkten Schwierigkeiten in der Schule als auch Familie, weil das schnelle Absacken der Schulleistungen von der Familie entsprechend bemerkt und nicht toleriert wird. Viele Jugendliche gehen dann den scheinbar leichteren Weg und wechseln zum niedrigeren Schultyp und verbauen sich damit ihre bereits erworbenen Zukunftschancen. Gleichzeitig beklagen sich viele darüber, "daß die Welt, bzw. die Lehrer so gemein" sind, ohne den Eigenanteil an ihren Schwierigkeiten sehen zu können.
    Schwierig wird die Beurteilung der ganzen Lage dadurch, daß Jugendliche in der Pubertät generell unter starken psychischen Belastungen stehen und auch ohne Drogenkonsum in diesem Alter mit den Schulleistungen Probleme haben, so daß die Unterscheidung: "Was ist drogenbedingt und was ist pubertätsbedingt" meist nur sehr schwer zu treffen ist.
    Im Zweifelsfall sollte eine Beratungsstelle aufgesucht werden, in der der Jugendliche zusammen mit einem kompetenten Berater die Möglichkeit hat, Bilanz zu ziehen.

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·  Erleichtert es das Gespräch mit dem Jugendlichen, wenn man schon einen Beweis für den Drogenverdacht hat?

Das kommt auf die Gesamtsituation an. Was nützt es, wenn man nach einer Zimmer-, Schubladen-, Brief-, Augen-, Tagebuchkontolle etc. einen "Beweis" für den Drogenkonsum gefunden hat, gleichzeitig aber das Vertrauen verlorengegangen ist? Nachschnüffeln verursacht massive Beziehungsschwierigkeiten.
Jeder "Fund" und die damit beweissichernde Auseinandersetzung untergräbt das Vertrauen
Etwas anderes ist es, wenn man zufällig auf Hinweise in Bezug auf Drogenkonsum stößt. Vielleicht ist es ja gar nicht zufällig, daß der Joint ausgerechnet offen im Zimmer herumliegt, einfach "vergessen" wurde.

Es ist schon vorgekommen, daß eine Klientin absichtlich einen Joint zu Hause herumliegen ließ, damit ihre Mutter in der Beratungsstelle anrufen würde. Diese Mutter war nämlich Alkoholikerin und ihre Tochter war verzweifelt darüber, daß es ihr nicht gelang, sie zum Gang in eine Beratungsstelle zu bewegen. Das Mädchen hoffte, auf diesem Wege zu erreichen, daß ihre Mutter wenigstens Kontakt mit einer Beratungsstelle aufnehmen würde.

Die Art wie der Beweis gefunden wurde, kann von entscheidender Bedeutung sein.
Manche Eltern glauben, erst anhand eines Beweises sei ein ehrliches Gespräch mit dem Jugendlichen möglich (weil er "es" sonst so oder so abstreiten würde). Dahinter steckt aber oft große Angst und Not. Wenn man gemeinsam nach den Gründen der Angst und der "Lügen" sucht, kann daraus eine Vertrauensgrundlage entstehen und nicht selten löst sich dann gleichzeitig auch das Problem des Drogenmißbrauchs.
Manchmal ist die Situation aber bereits so verfahren, daß sich das Kind in einem Lügengebäude verfangen hat, aus dem es allein nicht mehr herauskommt und auch Kontaktangebote der Eltern nicht mehr funktionieren. In einem solchen Fall kann es sinnvoll sein, erst einmal klarzustellen, um welche Situation (bzw. welches Suchtmittel es überhaupt geht). Vielleicht geht es gar nicht mehr um Marihuana/Haschisch, sondern bereits um Stärkeres wie Heroin, Kokain etc. und der Jugendliche traut sich einfach nicht, dies seinen Eltern zu sagen.

In Absprache mit einer Drogenberatungsstelle kann hier gelegentlich sogar eine Urinprobe sinnvoll sein. Vertrauensbildende Maßnahmen dürfen nicht nur von Seiten der Eltern kommen, sondern auch der/die Jugendliche muß ihren Teil dazu beitragen, Klarheit in die Situation zu bringen und Vertrauen zu den Eltern aufzubauen. Als Dauerkontrollinstrument ist eine Urinprobe aber gänzlich ungeeignet. In der Regel sollte eine Dauermaßnahme nur in Zusammenarbeit mit Drogenberatern erfolgen, die besser einschätzen können, ob und wie lange ein solches Vorgehen angebracht ist.

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·  Wenn man sieht, wie sich ein Kind verändert und unzugänglich wird, liegt es auf der Hand, daß man auch an Drogen denkt. Wie soll man sich da als Eltern verhalten?

Zunächst ist es wichtig, wieder Kontakt versuchen herzustellen und evtl. Gelegenheiten zu Kontakten zu verschaffen, ohne allerdings aufdringlich zu werden. Hilfreich ist es auch, mit dem Partner/Familienmitglied oder einer Vertrauensperson (Freund, Freundin etc.) über die eigenen Beobachtungen den Verdacht und die eigenen Ängste zu sprechen. Dabei ist es wichtig herauszufinden:

  • Lassen sich die beobachteten Veränderungen auch ohne Drogen erklären? (Es kann sich ebenso gut oft um "normale" Krisen oder um allgemein pubertäre Konflikte handeln)

  • Haben Sie selbst auch solche Veränderungen durchgemacht? Wie haben Ihre Eltern darauf reagiert?

  • Beruhen Ihre Ängste möglicherweise auf falschen Vorstellungen über Drogen?

Ein solches Gespräch hilft Ihnen vielleicht, Ihre Beobachtungen zu präzisieren, übertriebene Ängste abzubauen und andererseits auch besser zu spüren, wo mehr Einsatz und Verständnis oder aber auch "Nein-Sagen" bzw. Konfrontation für den Jugendlichen eine Hilfe bedeuten können.

Wichtig ist, sich nicht erst über das Kind oder den Jugendlichen Gedanken zu machen, wenn die Angst vor einem etwaigen Drogenkonsum hochkommt. Ihr Kind zeigt meist schon viel früher seine Probleme an und häufig bedeutet Drogenkonsum einen Hilferuf.

Wenn Sie nur mit Panik und Kontrollversuchen reagieren, wird ihr Kind erst recht "dichtmachen" und das Gefühl haben, daß man mit den Eltern über "so etwas" nicht reden kann. Zunächst ist es erst einmal wichtig, daß Sie Ihrem Kind aufmerksam zuhören und es und seine Konflikte ernst nehmen, völlig unabhängig davon, ob es um Drogen geht oder nicht.

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·  Dann sollte sich das Gespräch gar nicht so sehr um die Drogen drehen?

Ja. Im Zentrum des Gesprächs sollten die Probleme des Zusammenlebens in der Familie stehen; Drogenmißbrauch ist häufig nur das Symptom für bestehende Probleme, nicht deren Ursache.
Haben offene und partnerschaftliche Gespräche einen festen Platz im Zusammenleben der Familie, so werden die Eltern über Entwicklungsprobleme ihres Kindes informiert sein. Wenn es in der Familie selbstverständlich ist, daß man über die Regeln des Zusammenlebens und über Lebensprobleme spricht, dann weiß man auch "Drogenexperimente" des Kindes in ihrer Bedeutung einzuschätzen. Das Gespräch bricht dann nicht ab, wenn das Thema "Drogen" zur Sprache kommt.

Gesprächsbereitschaft und Vertrauensverhältnis bedeuten dabei nicht, daß in der Familie immer alles harmonisch sein muß, also es ohne Konflikte oder Streit abgeht. Es muß in der Familie möglich sein, auch schlechte Gefühle zu äußern. Gerade in der Pubertät zeigt sich, ob die Familie mit Konflikten und Spannungen umgehen kann.
Konflikterziehung ist darum eine der wichtigsten Aufgaben der Suchtvorbeugung in der Familie.

In einem fortgeschrittenen Stadium des Drogenmißbrauchs oder der -abhängigkeit kann es allerdings sein, daß der ursprüngliche Grund für den Drogenmißbrauch immer weiter in den Hintergrund tritt und der Betreffende praktisch nicht mehr "erreichbar" ist. Vielleicht stehen im Hintergrund auch gar nicht so sehr psychische Probleme und der/die Betreffende ist über die Neugier in den Heroinkonsum hineingerutscht und derzeit auch gar nicht bereit, darüber zu reden. Unter Umständen haben die Eltern bereits alles versucht, um ihr Kind von einer beginnenden Heroin"karriere" wieder abzubringen. In einer solchen Situation kann es für die Eltern und Geschwister durchaus sinnvoll sein, ihre eigenen Grenzen zu definieren und klarzustellen, daß unter diesen Umständen ein Zusammenleben nicht mehr möglich ist. Eine solche Entscheidung sollte möglichst nicht allein getroffen werden, sondern - wenn irgendmöglich - unter Zuhilfenahme der Dienste einer Drogenberatungsstelle.

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·  Gibt es eigentlich konkrete Hinweise auf eine Suchtgefährdung?

Nein im eigentlichen Sinne nicht. Es gibt aber Signale, die man ernst nehmen muß, z.B. wenn das Kind plötzlich

  • nur schwer Freunde findet, alles allein macht, sich einsam fühlt,

  • alles sehr langsam und traurig macht, nichts mehr anfängt, plötzlich in der Schule viel schlechter wird, häufig klagt: "Ich weiß nicht mehr weiter", "Ich geb's auf", "Ich kann nicht mehr" etc.,

  • sich eingeengt fühlt, zu nichts mehr Lust hat, wenn ihm "alles egal" ist,

  • Opposition gegen alles und jeden zeigt und alles nur noch negativ sieht,

  • sich um langjährige Freundschaften nicht mehr kümmert oder gar abbricht,

  • (auch ansatzweise) davon spricht, "nicht mehr leben" zu wollen,

  • auf schwierige Situationen nur mit Wutausbrüchen, Weglaufen und Verzweiflung reagiert und keine Möglichkeit sieht, mit diesen Problemen konfliktlösend umzugehen -

dann ist das Kind gefährdet. Hinter solchen Veränderungen müssen aber nicht unbedingt Drogen oder andere Suchtprobleme stehen. Es kann sich ebenso gut um massive Pubertätskonflikte handeln.

Eine akute Suchtgefährdung ist natürlich dann gegeben, wenn das Kind bereits (illegale) Drogen oder andere psychoaktive Mittel zu sich nimmt oder mehr als nur gelegentlich Alkohol konsumiert und häufiger berauscht ist. Hinweise sind es auch, wenn der/die Jugendliche mit dem Essen, Diäten etc. herummanipuliert, mit Rasierklingen an sichherumschnippelt oder zusammen mit anderen das "Luftabdrücken"1 praktiziert.

In der Regel sind dies Signale, daß der/die Jugendliche herumexperimentiert, um mit bestimmten Konsumverhaltensweisen oder anderen Techniken seine Befindlichkeit zu verbessern. Bis zu einem gewissen Grad ist ein solches Verhalten in der Pubertät normal. Äußerst aufmerksam sollte man aber werden, wenn sich die oben geschilderten psychischen und sozialen Phänomene hinzugesellen.

Fußnote:
1 In manchen Schulklassen wird eine Praxis praktiziert, in der die Schüler sich gegenseitig die Luft abdrücken, indem sie den Brustkorb ganz fest zusammenpressen, bis es dem anderen total schwindlig wird. Der Sauerstoffmangel verursacht das Schwindelgefühl. Wenn wieder losgelassen wird, erleben die Schüler einen sogenannten "Sauerstoff-Flash", d.h. angenehme Gefühle des "Leichtseins", "Schwebens" etc.. Manche Schüler werden auf eine solche Praxis fast süchtig. Der Mechanismus der Sauerstoffverdrängung ist dem ähnlich, der auch beim "Schnüffeln" entsteht, wenn die Lösungsmittel den Sauerstoff aus dem Blut verdrängen und der Sauerstoffmangel zu euphorischen Erlebnissen, Halluzinationen und gelegentlich auch zu sexueller Erregung führt.

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·  Wenn ich nun aber sicher weiß, daß mein Kind Drogen nimmt, muß ich dann jemanden darüber informieren?

Nein, Sie müssen nicht. Vor allem ist es - in der Regel - nicht sinnvoll, das eigene Kind anzuzeigen, weil dann der Rest des Vertrauens des Jugendlichen in die Eltern zerstört wird. In extremen Fällen - wenn schon Lebensgefahr besteht - kann ein solches Verhalten allerdings der letzte Rettungsanker sein. Die Klärung welches Verhalten sinnvoll ist, sollte allerdings unbedingt in einer Fachberatungsstelle geschehen.

Häufiger ist der Fall, daß betroffene Eltern auch gegenüber den Eltern ihrer Freunde schweigen. Soweit sie sich kennen, ergibt sich eine schwierige Situation. Häufig wird den früher informierten Eltern vorgeworfen, alles verschwiegen zu haben und den anderen Eltern damit die Möglichkeit genommen zu haben, rechtzeitig reagieren zu können. In der Regel haben Drogen konsumierende Jugendliche einen Informationsvorsprung vor ihren Eltern, den sie auch konsequent ausnutzen. Deshalb ist es in diesem Zusammenhang wichtig, nicht in einem "Bündnis des Schweigens" zu verharren, sondern - soweit möglich -, sich gegenseitig zu informieren, um überhaupt eine Möglichkeit zu haben, frühzeitig zu reagieren. Gegen solche "Allianzen" wird natürlich von Seiten der Jugendlichen massiv mobil gemacht und von "Vertrauensverlust", "Verrat" etc. gesprochen. In einem solchen Zusammenhang ist es wichtig, den oder die Jugendlichen damit zu konfrontieren, daß der Vertrauensmißbrauch erst einmal von ihrer Seite aus gegangen ist, durch Verheimlichung des Suchtmittelkonsums. Eine Vertrauensbasis kann erst durch eine offene Diskussion aller Beteiligten und konkreter Vereinbarungen, wie mit der Situation umgegangen werden kann, wieder hergestellt werden. Dabei gilt es weder zu dramatisieren, noch zu verharmlosen. In der Regel ist es sinnvoll, Fachleute einzuschalten, wenn bei den Eltern das Gefühl vorherrscht, mit der Situation überfordert zu sein.

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·  Soll man mit Lehrern der/des Jugendlichen sprechen?

Das hängt von der Person des Lehrers bzw. der Lehrerin ab. Nicht jede Lehrkraft hat die Fähigkeit, kompetent mit solchen Fragen umzugehen und häufig schadet man dem Kind nur dadurch, z.B. wenn im ganzen Lehrerkollegium bekannt wird, daß der Schüler X Suchtmittelprobleme hat. Leider sind auch Lehrer/inen nicht immer vorurteilsfrei und für den Jugendlichen ist es äußerst unangenehm, das Gefühl zu haben, auf einmal mit ganz anderen Augen betrachtet zu werden, bzw. daß jede Regung und Äußerung auf einmal in Zusammenhang mit der Suchtproblematik gebracht wird. Manchem Schüler bleibt dann nur ein Schulwechsel übrig, da niemand an der neuen Schule vom Suchtproblem weiß.

Wenn hinter einem Suchtmittelkonsum eine problematische Situation steckt, so wird dies oft allerdings auch in der Schule bemerkt. In solchen Fällen ist es günstig, wenn die Schule auf die Eltern zukommt und versucht, die Problematik zu klären - und zwar in erster Linie in Bezug auf die Grundprobleme und nicht oberflächlich nur überwiegend bezüglich der Symptomatik: "Suchtmittelkonsum".

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·  Und im Verwandten- und Bekanntenkreis?

Bevor Sie Verwandte und Bekannte über ihre Notlage informieren, versuchen Sie herauszufinden, weshalb Sie gerade mit diesen reden möchten. Ist es zum Guten für sie und Ihr Kind? Möchten Sie sich einfach entlasten und Anteilnahme finden? Rutschen die Bekannten oder Verwandten quasi in einen Therapeutenstatus?

In der Regel bedeutet Anteilnahme für die Eltern eine Entlastung. Möglicherweise kann die Situation aber auch schwieriger werden, weil damit immer mehr Leute zu Wissen glauben, was zu tun oder gelassen werden soll, ohne daß eine wirksame Hilfe angeboten wird. Auch der Jugendliche gerät in der Verwandt- und Bekanntschaft unter Umständen immer mehr in die Rolle des "schwarzen Schafes".

Sie sollten es sich genau überlegen, wem Sie sich anvertrauen können. Auf jeden Fall kann der Rat von Bekannten und Verwandten nicht den Gang zur Beratungsstelle ersetzen.

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·  Was kann man für ein drogenabhängiges Kind tun - außer, daß man sich an eine Beratungsstelle wendet?

Es gibt keine allgemeinen "Hilfsrezepte", denn die persönliche Problematik, die hinter jedem Drogenmißbrauch steht, hat in jedem einzelnen Fall ein anderes Gesicht.
"Hilfe" sollte stets heißen: Interessiert, vorurteilslos, offen und engagiert da sein für den, der Probleme hat. Dazu gehört, aktiv zuhören, Verständnis zeigen, sich einfühlen, aber auch seine eigenen Gefühle und Ansichten ins Gespräch bringen.
Eine solche Haltung ist die Basis für eine vertrauensvolle Beziehung. Wo kein Vertrauensklima herrscht, ist jede Hilfe ein fragwürdiges Flickwerk. wo Vertrauen und Geborgenheit fehlen, schleichen sich Einsamkeit, Hoffnungslosigkeit, Krankheit und Selbstzerstörung ein. Wenn sich solche Symptome zeigen, dann ist die Schaffung oder Wiederherstellung einer Vertrauensbeziehung erstes Gebot.

Machen wir uns aber nichts vor. In vielen - beileibe nicht in allen - Familien kommt es genau deshalb zu problematischem Suchtmittelkonsum, weil irgendetwas in der Beziehung nicht stimmt und häufig ist sowohl das Vertrauen der Jugendlichen, aber auch der Eltern total verloren gegangen. Häufig ist die Situation derart verfahren, daß neutrale Personen (Suchtberater, Therapeuten etc.) zugezogen werden müssen, weil das Mißtrauen gegeneinander auf andere Weise nicht überwunden werden kann.

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·  Ist das dann aber vor allem die Aufgabe des Beraters in der Beratungsstelle?

Nicht nur. Mögllicherweise bittet der Berater die ganze Familie an den Gesprächen teilzunehmen. Es ist vielleicht nötig, daß die ganze Familie dem in Schwierigkeiten geratenen Jugendlichen helfen muß. Warum? Wenn ein Kind - in der Familie selbst - massive Probleme hat, leiden alle Familienmitglieder mehr oder weniger stark unter der Situation. Unter Umständen füllt das Kind aber - für die Familie unbewußt - auch eine wichtige Rolle in der Familie aus, z.B. die des "Sündenbocks". Bei einer Änderung der Rolle in der Familie sind alle betroffen und müssen mithelfen. Zudem kennen Eltern und Geschwister die besondere Familiensituation besser als der Berater. Dieses Wissen muß der Berater einsetzen können, damit die Schwierigkeiten in der Familie angegangen werden können. Häufig hat es der Berater aber mit sogenannten "Familiengeheimnissen" zu tun, d.h. Themen, die auf keinen Fall angesprochen werden dürfen, um die sich aber zumindest ein Teil der Konflikte in der Familie ranken.

Es kommt z.B. bei drogengefährdeten oder drogenabhängigen Mädchen eher als sonst vor, daß der Stiefvater bzw. Freund der Mutter das Mädchen sexuell "angemacht" oder sogar mißbraucht hat - nicht selten sogar mit Wissen der Mutter! Dieses Geheimnis darf aber auf keinen Fall an die Öffentlichkeit kommen, damit die Mutter nicht reagieren muß und dadurch evtl. ihren Partner verliert. Nicht selten "opfern" Mütter ihre Kinder zugunsten ihres Partners. Man kann sich leicht vorstellen, wie sich ein Kind fühlt, das nicht nur mißbraucht, sondern auch noch von der Mutter quasi "verraten" worden ist.
Solche Probleme gehören zu den schwierigsten in einer Beratungsstelle und sie sind manchmal nicht mit der Familie zu lösen, sondern leider häufig nur dadurch, daß das betroffene Kind die Familie verläßt.
Andere Fälle sind leichter zu lösen, z.B. wenn sich die Eltern ihrer Kinder aus irgendeinem Grund schämen (z.B. wegen des Drogenkonsums oder weil ihr Kind auf den Strich geht etc.). In solchen Fällen bedeutet eine offene Aussprache eher eine Entlastung und führt zu einer Verbesserung der Familienatmosphäre.

Wenn ein Kind Probleme hat, heißt das oft, daß auch innerhalb der Familie gewisse Verhaltensregeln geändert werden müssen, damit sich alle Familienmitglieder wieder wohler fühlen. Der Berater fragt dabei überhaupt nicht nach "Schuld". Er weiß, daß sich in kritischen Situationen Verhaltensweisen einschleichen können, die sich auf das ganze Familienleben verhängnisvoll auswirken können, ohne daß die Beteiligten dies so wollen.
Der Berater wird also zusammen mit der Familie versuchen, solche "Wundstellen" aufzudecken und "abheilen" zu lassen. Die Erfahrung zeigt, daß sich die Heilungsprozesse bei einer Mitarbeit der ganzen Familie rasch positiv auf die gesamte Situation auswirken können. Aber - wie bereits oben geschildert - mit Widerständen muß gerechnet werden.

Es ist wichtig, daß nicht gewartet wird, bis ein/e Jugendliche/r eine "Drogen- oder Suchtmittelkarriere" entwickelt hat, sondern daß rasch eine Fachstelle eingeschaltet wird, die dafür eingerichtet ist, zusammen mit der Familie an solchen Problemen zu arbeiten.

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·  Aber es braucht doch eine gewisse Überwindung, sich einfach bei einer solchen Beratungsstelle zu melden?

Viele Menschen haben Mühe, sich in einer Krise an eine solche Stelle zu wenden. Der Gedanke, "es" nicht mehr allein zu schaffen und die "Demütigung", dies einer solchen Stelle eingestehen zu müssen, können sie leider von diesem Schritt abhalten.
Grundsätzlich ist es natürlich positiv, wenn man zuerst versucht, sich selbst zu helfen. Wenn aber das Leiden die subjektive Kraftgrenze erreicht hat und die Hemmung, sich an jemanden zu wenden, immer noch stärker als der Wunsch nach Hilfe ist, kann dies sehr rasch tragische Konsequenzen haben

Um diese Hemmschwelle abzubauen sind in letzter Zeit immer mehr ambulante Beratungsstellen entstanden. An diesen Stellen wird alles dafür getan, sich in die Situation der Ratsuchenden zu versetzen, sich einzufühlen und ihre Wünsche und Ängste ernstzunehmen. Da dabei unter Umständen auch sehr unangenehme Begebenheiten zur Sprache kommen, unterstehen die Berater zum Schutz des Ratsuchenden der Schweigepflicht, bzw. dem Arztgeheimnis und sind deshalb auch bei Kenntnis von illegalen Aktivitäten nicht anzeigepflichtig.

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