Zürich/London - Schweizer Suchtmediziner schließem aus der Analyse von langjährigen Drogendaten aus dem Kanton Zürich dass sich mögliche Heroin-Einsteiger durch medizinische Methadonprogramme abschrecken lassen. Die Zahl der Heroin-Neueinsteiger sank dort von 1990 bis 2002 die Zahl von rund 850 auf etwa 150 (The Lancet» (Bd. 367, S. 1830)).
Durch die medizinische Substitution werde Heroingebrauch in der Öffentlichkeit stärker als Krankheit wahrgenommen. Das einst als «rebellisch» angesehene Heroin habe daher das Image einer «Verliererdroge» bekommen und sei speziell für Jugendliche unattraktiver geworden. Nicht untersucht haben die Züricher Mediziner allerdings, ob potenzielle Heroineinsteiger möglicherweise auf andere Drogen ausgewichen sind.
Kritiker werfen den Methadonprogrammen vor, den Heroinkonsum indirekt zu fördern und die Dauer der Abhängigkeit zu verlängern. Hier ist allerdings auch die Zahl der Neueinsteiger zu brücksichtigen. Im Kanton Zürich, in dem ein Fünftel der Eidgenossen und ein Viertel der Schweizer Heroinkonsumenten leben, sank die Zahl der Heroineinsteiger seit 1990 um insgesamt rund 80 Prozent. Im Gegensatz dazu nahm in Großbritannien, Italien und Australien der Heroinkonsum weiter zu. Die Gesamtzahl aller Heroinabhängigen sank in dem Schweizer Kanton um 4 Prozent pro Jahr.