Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) stellt Broschüre für junge Aussiedler vor
Insbesondere der Suchtmittelkonsum junger Aussiedler erregt seit einigen Jahren öffentliche Aufmerksamkeit. Manche von ihnen neigen, so wird berichtet, zu besonders frühem, starkem Konsum harter Drogen. Unabhängig davon, ob der Anteil dieser Drogenkonsumenten unter Aussiedlern höher ist als unter hier Geborenen, wurde schnell deutlich, dass die Folgen besonders gravierend sind. Denn: Es gab bislang kaum Hilfe, und die vorhandene war kaum bekannt.
„Zu uns kann jeder kommen, der Deutsch spricht“, das war die Einstellung mancher Sozialarbeiter noch vor wenigen Jahren. Doch kaum jemand der Aussiedler aus Osteuropa kam. So gingen manche Politiker lange davon aus, dass auch kein entsprechender Bedarf der jungen Menschen bestünde. Tatsächlich nahmen gerade gesundheitliche Probleme nicht selten überhand. Doch weder das deutsche Gesundheits- noch Sozialwesen war darauf vorbereitet.
So gab es für ca. eine Million junger Spätaussiedler nur sehr wenige Beratungs- und Therapieangebote, die ihre Sprache sprachen und ihren kulturellen Hintergrund kannten. Noch schlechter war es um Informationen für die Zielgruppe bestellt. Was sind Drogen? Warum sind sie gefährlich? Welche Hilfen stehen für Abhängige bereit? Wo sind die entsprechenden Angebote? All diese Fragen blieben unbeantwortet. Drogenhilfe für Aussiedler war Glückssache.
Aus diesem Grund hat die DHS schon im Jahr 2002 ein Informationsvideo für alle Spätaussiedler produziert, das die Drogenhilfe in Deutschland bekannt macht und Schwellenängste beseitigen hilft. 2004 wurde eine Datenbank mit deutschlandweiten Therapieangeboten für Migranten im Internet veröffentlicht. Heute nun stellt die DHS ihre neue russischsprachige Broschüre „Drogen nehmen?“ vor.
Die Information wendet sich an junge Konsumenten von Alkohol und anderen Drogen aus der ehem. UdSSR. Sie hat zwei klare Botschaften: Erstens: Drogenkonsum ist gefährlich für Gesundheit, Arbeit und Einkommen. Zweitens: Bei Problemen gibt es Hilfe in Deutschland.
Design und Sprache sind gezielt ausgerichtet. Der Text vermeidet jede moralische Argumentation, ist pragmatisch und unaufgeregt.
Nach vielen Interviews mit der Zielgruppe und Pretests ist nunmehr gewährleistet, dass die Suchthilfe auch Aussiedlerinnen und Aussiedler erreicht.
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Dr. Raphael Gaßmann
Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V.
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